Standpunkte

Gesellschaft

Wir verstehen, dass man diese Gesellschaft ablehnen kann.

Jugendliche beschäftigen sich mit der Frage, in welche Gesellschaft sie sich integrieren sollen, welcher Platz für sie der richtige ist. Soziale Prozesse können als komplex, ambivalent und ungerecht erscheinen und das tatsächlich auch sein. Gesellschaftskritik ist Bestandteil von Jugend. Wir sehen soziale Prozesse kritisch, sind sensibel für den „Extremismus der Mitte“ und haben Verständnis für Devianz und „Ränder“ der Gesellschaft.
Wir wollen Jugendlichen vermitteln, dass sie sich in dieser Gesellschaft, deren Grundfesten wir als die bestmöglichen verstehen, selbst verwirklichen können und nach ihren Vorstellungen Gesellschaft mitgestalten können.

 

Jugendliche stärken

Wir stärken Jugendliche und junge Erwachsene für ein Leben in dieser Gesellschaft.

Jugendliche stehen vor der Herausforderung ihren Platz in einer Gesellschaft zu finden. Nicht nur durch das Internet, auch durch das Aufwachsen in zwei, drei Kulturen oder durch das Begegnen von Menschen mit verschiedenen Einstellungen haben Jugendliche eine größere Aufgabe ihren eigenen, stabilen Weg zu finden. Damit sie mit persönlichen Erlebnissen oder Frustration besser zurechtkommen, brauchen sie vor allem Sicherheit und ein starkes Selbstbild. Soziale Anerkennung, partizipative Strukturen sowie Gerechtigkeit für alle sind nicht immer in der Gesellschaft gegeben. Umso wichtiger ist es, dass Heranwachsende selbstsicher und -bewusst werden. Neben der Familie, Schule, Freunden oder Hobbies, die Jugendliche primär stärken, möchten wir sie zusätzlich durch Workshops stark machen. Indem sich junge Menschen in Übungen mit der Gesellschaft, in der sie leben beschäftigen (mit den demokratischen Werten) und sich gegenseitig besser kennenlernen (kultur- und religionsübergreifend) sollen positive Eigen- und Fremdbilder geschaffen werden, die zu einem anerkennenden Umgang miteinander führen.

 

Religionsverständnis

Religion kann Teil eines gelingenden Lebenskonzepts sein.

Gelebte Religiosität, besonders nach außen sichtbare Religiosität, kann im öffentlichen Leben Befremden auslösen. Religion hat oft keine „gute Lobby“ und gerät vorschnell unter Fundamentalismusverdacht. Negative Bilder über den Islam bestimmen die Medien. Wir verstehen Religion als Teil eines lebensbejahenden Persönlichkeitskonstrukts vieler Menschen. Religion ist Ressource. Sie gibt Kraft. Ist spiritueller Rückzugsort, strukturiert Lebenserfahrungen. Wir stehen gelebter Religiosität durchweg positiv gegenüber. Solange Religion nicht aggressiv missioniert oder gewalttätig ist, ist sie zu schützen und zu kultivieren. Religiöse Praxis ist Teil der Kultur – also ist sie flexibel und reagiert auf gesellschaftlichen Wandel.

 

Radikalisierung

Radikal ist, wer ein tiefempfundenes Verlangen nach soziopolitischen Veränderungen verspürt und Radikalisierung ein Prozess, die mit einer wachsenden Bereitschaft, weitreichende Veränderungen in der Gesellschaft zu verfolgen oder zu unterstützen, einhergeht.

Wir verstehen Jugendliche, die sich in der persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensbiographie, Identität und globalen Fragestellungen über Gott und die Welt“ von einem salafistischen Weltbild vereinnahmen lassen und sich oftmals aus einem Gerechtigkeitsempfinden heraus radikalisieren. Wir begreifen ihre Radikalität auch als Ablehnung von  bestehenden persönlichen oder gesellschaftlichen Lebensbedingungen. Der Salafismus bietet ihnen dabei die Möglichkeit, diese Haltung aktiv oder passiv zum Ausdruck zu bringen. Wir gehen davon aus, dass den meisten jungen Menschen die menschenverachtende Ideologie des Salafismus nicht bewusst ist, sondern vielmehr die als alternativ wahrgenommene salafistische Lebens- und Glaubenspraxis, die ihnen Zugehörigkeit, Anerkennung, Orientierung, Aufwertung der eigenen Gruppe, Wissen über den „wahren“ Islam und den „Einzug in das Paradies“ anbietet. Wir sehen aber auch in der (un)bewussten Unterstützung dieser Ideologie die reale Gefahr sowohl für junge Menschen als auch für unsere demokratische Gesellschaft, wenn ihnen in dieser salafistischen Lebenswelt Wege zu Gewalt und Terror aufgezeigt werden. Wir betrachten es daher als unsere zentrale Aufgabe junge Menschen, die im Begriff sind sich zu radikalisieren, über die Gefahren dieser menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Ideologie aufzuklären ohne dabei ihre Kritik am persönlichen oder gesellschaftlichen Leben sowie ihr Bedürfnis nach Religiösität auszublenden.